Synopsis

Logline
DIE SCHLÄFERIN ist eine Annäherung an die Lebensgeschichten zweier Frauen, deren Persönlichkeiten hinter ihren Rollen als Ehe- und Hausfrauen zum Verschwinden gebracht wurden. Sie waren solange unsichtbar, bis sie selbst zu Täterinnen wurden.

Kurztext
Zwei Zeitungsartikel, zehn Jahre Abstand, zwei verschiedene Frauen, der gleiche Wortlaut. 2001 schreibt die Göttinger Zeitung, Margit (69) habe zurückgezogen gelebt und sei eine unscheinbare Frau gewesen. 2011 schreibt das Hamburger Abendblatt Irina (65) habe zurückgezogen gelebt und sei eine unscheinbare Frau gewesen. Bis zu dem Moment ihres Auftauchens zwischen den Zeilen eines Zeitungsartikels sind beide Frauen unsichtbar, hinter ihren Rollen als Ehe- und Hausfrauen zum Verschwinden gebracht. Lediglich einmal verschaffen sie sich für kurze Zeit Sichtbarkeit. In einem Gewaltakt. DIE SCHLÄFERIN kreist um die Zeit vor diesen Gewalttaten.

Der Kurzfilm rekonstruiert und imaginiert die Geschichten dieser beiden Frauen, die Zeit ihres Lebens fremdbestimmt werden und vergeblich um einen eigenen Ausdruck ringen, solange, bis sie die Spirale alltäglicher Gewalt nur noch durch einen eigenen Gewaltakt beenden können.
Auch die filmische Sprache bewegt sich zwischen Dokument und Fiktion. Angelpunkt ist eine Wohnung, in der ein Kühlschrank brummt, ein Topf auf dem Herd kocht, ein gedeckter Tisch steht, der Fernseher läuft. Diese filmisch als bewegte Stillleben dargestellten häuslichen Alltagsszenen suggerieren, dass etwas gerade eben oder noch nicht passiert ist. Die Figur der Hausfrau scheint omnipräsent, bleibt im Bild aber abwesend, wie auch die eigentlichen Protagonistinnen Margit und Irina unsichtbar bleiben.
Dieses Kammerspiel, das einer Heimsuchung gleicht, wird mit ruhigen Außenaufnahmen auf Stadtlandschaften und Häuser kontrastiert. Fassaden, hinter denen sich täglich häusliche Dramen abspielen, die nie nach außen dringen.